20 Thesen für Government 2.0

Steven Raddick hat in einem sehr interessanten Artikel 20 Thesen für Government 2.0 aufgestellt (Vielen Dank an dieser Stelle für die Thesen). Angelehnt hat er sich dabei an das Cluetrain Manifest, in dem 1999 das Verhältnis von Unternehmen und ihren Kunden im Internetzeitalter beschrieben wurde. Ich habe Raddick´s Thesen ins Deutsche übersetzt. Dabei habe ich versucht möglichst eng am englischen Original zu bleiben. So klingen einige Thesen für deutsche Ohren vielleicht etwas merkwürdig. Trotzdem finden sich viele bemerkenswerte Aussagen, die beim Einsatz sozialer Medien von Bedeutung sein dürften. Die Thesen sind sicher nur der Anfang und entsprechend ausbaufähig, sowohl inhaltlich, als auch was meine Übersetzung angeht!

  1. Die Risiken des Einsatzes sozialer Medien sind wesentlich geringer als die Risiken soziale Medien NICHT einzusetzen.
  2. Ihre Behörde/ öffentliche Einrichtung/ Arbeitsgruppe/ Abteilung/ Geschäftsbereich ist nicht einzigartig. Sie arbeiten nicht in einer Organisation, deren Daten zu geheim sind. Sie arbeiten nicht in einer Umgebung, in der der Einsatz sozialer Medien auf keinen Fall funktioniert. Die Herausforderungen vor die Sie sich bei der Verwendung sozialer Medien gestellt sehen können einmalig für Sie sein, für die gesamte öffentliche Verwaltung sind sie es nicht.
  3. Sie werden es mit Skeptikern und anderen Personen zu tun haben, denen der erfolgreiche Einsatz sozialer Medien widerstrebt. Sie fürchten, dass die einhergehende Transparenz ihre Schwächen sichtbar macht.
  4. Sie werden mit Personen arbeiten, die sich aus falschen Gründen für soziale Medien stark machen. Diese Personen sehen soziale Medien als Möglichkeit ihre eigenen Karrieren zu befördern, mehr Geld zu verdienen oder groß raus zu kommen. Diese Personen stellen eine größere Gefahr für Ihre Anstrengungen dar als die größten Skeptiker.
  5. Junge Mitarbeiter wissen nicht zwangsläufig mehr über soziale Medien als ältere Mitarbeiter. Hören Sie auf, dies anzunehmen.
  6. Sie können davon ausgehen, dass irgend jemand in Ihrer Organisation soziale Medien bereits aktiv und begeistert einsetzt. Denken Sie daran, bevor Sie irgendwelche externen „Social Media Consultants“ engagieren. Finden Sie diese Mitarbeiter und setzen Sie sie ein. Diese Personen sind wesentlich für den Erfolg Ihres Einstiegs in soziale Medien.
  7. Fehler können und werden (viel) gemacht werden. Versuchen Sie nicht von vornherein mögliche Fehler zu verhindern. Konzentrieren Sie sich lieber darauf, wie Sie mit Fehlern umgehen, wenn sie gemacht werden.
  8. Informationssicherheit ist eine sehr wirkliche und berechtigte Sorge. Nehmen Sie dies NICHT auf die leichte Schulter.
  9. Vorschriften sind nicht in Stein gemeißelt. Mit den richtigen Begründungen, Begeisterungsfähigkeit und Wissen können und sollten Vorschriften zu ändern sein. Manchmal genügt es ein Anfrage zu stellen, manchmal sind langwierige Verhandlungen notwendig um Vorschriften zu ändern. Beides ist wichtig.
  10. Seien Sie bescheiden. Sie wissen nicht alles, also versuchen am Besten gar nicht so zu tun. Es ist in Ordnung im Unrecht zu sein.
  11. Aber seien Sie zuversichtlich. Sie wissen, was Sie wissen und brauchen sich nicht zu verstecken. Skeptiker und Personen ohne Verständnis für soziale Medien werden Sie herausfordern. Lassen Sie sich nicht entmutigen.
  12. Überall im öffentlichen Sektor gibt es Experten für soziale Medien. Finden Sie diese. Sprechen Sie mit ihnen. Lernen Sie von Ihnen.
  13. Government 2.0 ist kein neues Konzept. Es erhält derzeit viel Aufmerksamkeit, weil soziale Medien den ehrgeizigen, den innovativen und den kreativen Personen im öffentlichen Sektor ein Sprachrohr bietet.
  14. Beim Einsatz sozialer Medien geht es nicht um Technologie sondern darum was Technologie ermöglicht.
  15. Soziale Medien werden nicht von Positionen, Titeln oder Abteilungen vorangetrieben. Sie werden von Personen vorangebracht. Versuchen Sie nicht ein komplexes Thema wie soziale Medien von einer Arbeitsgruppe oder Abteilung bearbeiten zu lassen, bringen Sie lieber verschiedene Personen aus Ihrer gesamten Organisation zusammen.
  16. Anstatt Ihre Fähigkeiten, Erfahrungen, Plattformen und Software mit Bezug zu sozialen Medien dem öffentlichen Sektor zu vermarkten, versuchen Sie es doch mal mit ernstgemeinten Gesprächen. Diese werden einen stärkeren Eindruck hinterlassen als eine PowerPoint-Präsentation.
  17. Heutzutage verbringen Mitarbeiter vermutlich fünf Minuten ihrer Arbeitszeit damit mit Freunden auf Facebook zu sprechen oder Videos bei YouTube anzuschauen. Heutige Mitarbeiter verbingen vermutlich auch eine Stunde abends um 22 Uhr damit dienstliche E-Mails zu  beantworten oder auf Artikel in einem berufsbezogenen Weblog zu antworten. Gehen Sie davon aus, dass Mitarbeiter gute Personen sind, die das Richtige tun wollen und stolz auf ihre Arbeit sind.
  18. Minister und Abteilungsleiter sind wichtige Personen. Es sollte ihnen möglich sein direkt und ohne großen Aufwand mit ihren Mitarbeitern zu sprechen.
  19. Transparent, partizipativ, kollaborativ – diese Begriffe beschreiben nicht nur einen Endzustand. Sie beziehen sich auch auf den Prozess um diesen Zustand zu erreichen. Es ist in Ordnung zu diskutieren, zu streiten und verschiedene Meinungen darüber zu haben, wie am besten „Government 2.0“ erreicht werden kann. Verschiedene Perspektiven, Meinungen und Vorstellungen sollten willkommen sein und offen besprochen werden.
  20. Es reicht nich aus negatives Feedback auf dem eigenen Weblog oder der Webseite zuzulassen. Sie müssen auf die Rückmeldung reagieren. Dies könnte bedeuten sich auf ein Gespräch mit der kritischen Person über ihre Meinung einzulassen oder gar (unglaublich!) eine veraltete Vorschrift zu verändern. Hören Sie nicht bloß der Öffentlichkeit zu, seien Sie auch davon betroffen.

Über jens

What does Jens do for a living? In Deutsch and in English.

22. Juli 2009 von jens
Kategorien: egovernment, gov20 | Schlagwörter: , , | Kommentare deaktiviert für 20 Thesen für Government 2.0