Alles neu macht bundestag.de?
Der Webauftritt des deutschen Bundestages hat eine Überarbeitung erfahren. Das neue Design wurde heute veröffentlicht. Wirklich neue Funktionen finden sich leider kaum. Vorhandenes wird jetzt besser dargestellt, vor allem die Übertragungen aus dem Plenarsaal. Auch wurde die Benutzeroberfläche der verschiedenen Datenbanken verbessert.
Leider wurde aber die Chance nicht genutzt grundlegende Änderungen vorzunehmen. So gibt es immer noch keine Schnittstellen, die den automatisierten Bezug großer Mengen an Informationen aus den Diskussionen und Beschlüssen des Bundestags erlauben. Da sind zum Beispiel die Parlamente in den USA und Großbritannien deutlich weiter. Auf Basis der Daten, welche diese Parlamente über ihre Schnittstellen zur Verfügung stellen sind zahlreiche Webangebote von Dritten entstanden. Diese stellen vielfach Online-Werkzeuge zur Verfügung, mit denen die Vielfalt an Informationen aus den Gesetzgebungs- und Beratungsprozessen schnell und einfach analysiert werden kann.
Beispiele für Webseiten in den USA und Großbritannien, die bei der Beobachtung der Volksvertretungen helfen:
TheyWorkForYou.com bereitet die Debatten der britischen Parlamente so auf, dass jeder Absatz der Reden im Internet einfach kommentiert und verlinkt werden kann.
GovTrack.us bietet viele Möglichkeiten die Entstehung von Gesetzen genau nachzuverfolgen. Neben Informationen über den aktuellen Stand der jeweiligen Gesetzgebung werden die verschiedenen Versionen und Kommentierungen der unterschiedlichen Gremien zur Verfügung gestellt. Unterschiedliche Versionen können in automatisch verglichen werden. Über jedes einzelne angelaufene Gesetzesvorhaben kann man sich per RSS-Feed informieren.
Eine kleine Presserundschau zum heutigen Relaunch von bundestag.de:
Schon vor der offiziellen Vorstellung des überarbeiteten Portals befragte der Deutschlandfunk den Direktor des Grimme-Instituts Uwe Kamman zu den Möglichkeiten und Chancen von bundestag.de
Eher skeptisch der Artikel “Leider nur ein Relaunch” im Tagesspiegel mit dem Fazit:
Da ein Relaunch im klassischen Sinne nicht bedeutet, neue, innovative Produkte einzuführen sondern als Ersatz einer bestehenden Seite genügen soll, kann man diesen als gelungen bezeichnen. Die Chance einer längst nötigen Weiterentwicklung hat man damit allerdings vertan.
Positiv beurteilt tagesschau.de in dem Artikel “Der Adler gibt Auskunft” den neuen Auftritt:
Insgesamt ist die Neugestaltung der Bundestagsseite im Internet gelungen. Viele Punkte wurden erweitert und sind trotzdem leichter zu handhaben, außerdem kommt der neue Auftritt wesentlich zeitgemäßer daher als der Vorgänger. Die knapp vier Millionen Besucher pro Monat wird es freuen.
Das Handelsblatt stellt in seiner Meldung “Der Politik ein Gesicht geben” fest:
Die Suche nach Informationen wird durch den Relaunch in jedem Fall nutzerfreundlicher. Die Seite präsentiert sich übersichtlicher und ruhiger fürs Auge.
Die Süddeutsche Zeitung bringt eine Meldung der DPA, in der Georg Hackmack einer der Mitgründer von abgeordnetenwatch.de die zu geringen Kommunikationsmöglichkeiten kritisiert:
Kritisch sieht er [Gregor Hackmack] dagegen den Verzicht, über die Homepage mit den Bürgern in einen Dialog zu treten. bundestag.de bleibe somit eine Einbahnstraße der Kommunikation.
